NÖ Premiere – The end of meat

Unseren Wastl am Wald Montag ließen wir im Cinema Paradiso zu St. Pölten ausklingen und zwar nicht bei irgendeinem Film, sondern wir wohnten der Niederösterreich Premiere von Marc Pierschels „The End of Meat“ bei. Der Saal drei des Cinemas war gesteckt voll mit an der Thematik interessierten Zuschauern, was auch zu einer lebhaften und interessanten Diskussion im Anschluss mit dem Regisseur führte.

Seit nun schon sechs Jahren sind Jürgen und ich vegetrarisch vegan unterwegs. Ganz gelingt uns der vegane Lebensstil noch nicht, denn von Schokolade oder Waldviertler Schuhen kommen wir noch schwer los. Umso mehr beeindruckt hat uns wieder einmal, wie viele Leute an dem ja mittlerweile in der Öffentlichkeit, Gesellschaft und Politik angekommen Thema des Fleisch- und eben nicht Fleischverzehers interessiert sind. Der Film „End of Meat“ ist keiner, der schulmeisterisch an die Sache herangeht, sondern Pierschel nähert sich dem Thema indem er in bedrückenden Sequenzen und aufschlussreichen Interviews aufzeigt wie FLEISCHkonsum den Planeten Erde schädigt und welch abartiges Vorgehen es eigentlich ist, Tiere unter unwürdigsten Umständen zu züchten um sie dann als sonntägliches Schnitzel zu verzehren.

Es ist ja schon lange kein Geheimnis mehr, dass eine nachhaltige Ernährung  unserem Planeten mehr hilft, als man denkt. Wer auf Tierprodukte verzichtet und sich saisonal und regional ernährt, würde eine Menge Wasser, Treibhausgase und Ressourcen sparen. Die Produktion von tierischen Lebensmitteln ist eine Hauptursache des Klimawandels und verursacht ca. ein Viertel des weltweiten Treibhausgases 🙁 Z.b. werden durch die  Produktion von  einem Kilogramm Rindfleisch 20,65 kg Treibhausgase abgegeben. Das entspricht etwa einer Autofahrt von 250 km Länge.

 

Marc Pierschel

 

Und nicht nur das, auch der Anbau von Futtermittel für die Tierzucht trägt sein Schäufelchen bei. So werden 85% des Sojas und rund 50% des Getreides weltweit an Tiere verfüttert, wobei auf der anderen Seite Millionen von Menschen hungern. Weiters sind bereits riesige Teile des Regenwalds dem Futtermittelanbau, ergo unserem Fleischkonsum zum Opfer gefallen. Pro Jahr 130.000 qkm (so groß wie Griechenland)! Das sind in der Minute 35 große Fußballfelder!
Kurz noch veranschaulicht in Zahlen: 27 qm Boden werden für die Produktion von 1 kg Rindfleisch benötigt, im Gegenzug dazu benötigt man für 1 kg Erdäpfel lediglich 0,25 qm. Nicht minder verhält es sich mit der Wasserverschwendung bei der Fleischproduktion. Man glaubt es kaum, aber auf die Nahrungsmittelproduktion entfallen 85% des weltweiten Wasserverbrauchs. Zum besseren Verständnis: 1 kg Rindfleisch benötigt 15.000 l Wasser, 1 l Kuhmilch 1.000 l Wasser und am meisten fällt natürlich für die Futtermittelproduktion an. Im Vergleich dazu benötigt man für die Produktion von 1 kg Erdäpfel 160 l Wasser :0

Man darf aber auch nicht vergessen sich selbst Grenzen zu ziehen, wie weit man gehen will. Eine regionale Ernährung bleibt, so finden wir, durchaus wichtig, denn eine vegane Ernährung lässt sich nicht einfach mit nachhaltiger Ernährung gleichsetzten. So sind etwa Avocados, exotische Früchte, Produkte aus Übersee bzw. Lebensmittel mit Palmöl nicht wirklich nachhaltig für unseren Planeten. Auch diese Problematik wird im Film angesprochen.

 

Esther the wonder pig

 

Weiters sehr imponiert hat mir die Idee der Lebenshöfe, wo Tiere „leben“ dürfen, ohne einen Nutzen zu erfüllen, ohne etwas produzieren zu müssen. Sie dürfen einfach sein. Wenn man etwa die Bilder der Tiere auf dem Hof von Hilal Sezgin sieht, die mit einer Schafherde gemeinsam lebt, aber getrennt in Tier- und Menschenhaus, erkennt man, wie lebendig ihre Augen strahlen. Im Gegensatz dazu stehen die Aufnahmen der Tiere in Tiertransportern auf ihrem Weg ins Schlachthaus bzw. in Masttierhaltungen, deren ganzes Leben auf Leid, Misshandlung, Tod und ein Leben in Dreck, Gestank und Dunkelheit aufgebaut ist. Nur um das Verlangen nach dem täglichen Stück Fleisch am Teller gewährleisten und die Fleischindustrie am Leben erhalten zu können.

 

Hilal Sezgin mit WG Ziege

 

Ein ebenfalls interessanter Faktor der in „The End of Meat“ gezeigt wurde, ist die Produktion von sogenanntem „cultural meat“. Gezeigt wird unter anderem ein Intview mit Dr. Mark Post, Professor an der Universität von Maastricht. Er ist ein Pionier auf dem Forschungsfeld cultured meat und entwickelte 2013 den ersten im Labor hergestellten Burger.
Ich glaube, jeder muss sich über dieses Laborfleisch seine eigene Meinung bilden. Fakt ist, dass dafür wiederum Rinder bzw. DNA derer benötigt wird, wenn gleich auch ein exorbitant kleiner Anteil, aber dennoch müssen sie wiederum gezüchtet und „benutzt“ werden. Andererseits würde dies, bei der explodierenden Vermehrung der Menschen auf der Welt, einen Übergang zur gänzlich vegan vegetarischen Ernährung darstellen. Hier ein gelungener Kurzvortag von Richard David Precht zur Thematik.

 

Mark Post

 

Für mich stellt sich aber auch die Frage, wie Christoph Wagner vom cinema paradiso so schön formulierte, ob in politischen Kicklzeiten, wo die Menschenwürde ins Bodenlose absinkt, das Thema „the end of meat“ wirklich so wichtig sein darf oder eben nicht? Aber vielleicht ist es eine Chance, die Menschen zu sensibilisieren und aufmerksam zu machen, in welche weltzerstörerische Richtung der massive Fleischkonsum führt. Vielleicht werden sie dadurch aufmerksam wie wichtig es ist, auf die Gemeinschaft zwischen Tier und Mensch zu blicken und erkennen dadurch, dass wir alle ein Teil des großen Ganzen sind. Nicht nur die Europäer oder jene aus den reichen Industriestaaten, sondern alle Menschen auf der Welt. Jene aus kriegsgebeutelten Ländern sind genauso ein Teil unserer Menschheit wie jene aus den Dürregebieten Afrikas….. die Liste würde sich endlos fortsetzten lassen. Vielleicht finden es ja unsere Enkelkinder oder Urenkerl schon abnormal, wenn jemand „echtes“ Fleisch in die Pfanne wirft und normal, dass wir eine Menschheit ohne Unterschiede und Status sind.
Zum Nachdenken hier reinklicken!

 

 

Quellen: vegan.atumweltnetz-schweiz.ch, greenpeace.at, abenteuerregenwald.de, the end of meat – Konferenz

Bildquellen: filmstarts.de, vimeo.com

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