Cube Stereo 160 C:62 TM

„An den Kindern sieht man, wie schnell die Zeit vergeht!“ sagt man immer so schön. Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Diese aber verfliegen wie im Nu! Dies wird einem erst so richtig bewusst, wenn dein bereits etwas altersschwaches Baby alle paar Ausfahrten mehrere Stunden liebevolle Zuwendung braucht, um es in Schuss zu halten, damit dir dein Endurobike am Trail nicht plötzlich unter dem Arsch wegfault!

Ich habe den Tag der Kaufentscheidung noch ganz klar vor Augen. 2011 musste ich mich von meinem treuen Specialized Enduro S-Works verabschieden, da es in den 7 Jahren, die ich es „geprügelt“ habe schon etwas müde geworden war von den vielen Kilometern, welche es brav bei Alpenüberquerungen und Trailausritten in den Bergen gefressen hatte.

Im Jahr zuvor tauschte ich mein DH-Bike gegen ein Haus. Somit sollte das neue Bike eine dieser neuen, Eier legenden Wollmilchsäue werden. 160 mm Federweg, hydraulische Sattelstütze, flacher Lenkwinkel, superrobust für den ein oder anderen Bikeparkbesuch und dabei voll tourentauglich und auch nicht alpenüberquerungsscheu bei rund 14 kg Gewicht. Als mich ein Freund zum Zwecke einer kurzen Testfahrt vor meinem neuen Domizil auf seinem nagelneuen, für mich zwei Rahmennummern zu großen Canyon Strive Platz nehmen und ein paar Meter auf der Straße rollen ließ, war die Entscheidung schnell gefallen und ein neues Bike geordert…

Wir schreiben nun das Jahr 2018. Jürgen hat längeres Haar als jemals zuvor (auch wenn es schon etwas ergraut ist), die Nächte werden mittlerweile wieder kürzer weil ihn ab und zu Rückenschmerzen an die ersten 20 wilden Jahre am Bike erinnern lassen, dafür ist er zumindest am Rad zur Zeit so schnell wie noch nie in seinem Leben! Was also, wenn Jürgen heuer ein paar Endurorennen bestreiten, viele feine, schnelle, technische Trails auf der ganzen Welt shredden, den ein oder anderen Bikepark besuchen und nächstes Jahr vielleicht wieder eine Alpenüberquerung erleben möchte?

Es war an der Zeit, das alte Canyon (welches  mittlerweile definitiv gebrechlicher ist als sein Reiter) in den Ruhestand zu verabschieden. Dies fiel aber absolut gar nicht so leicht wie gedacht. Gab es 2011 noch ein sehr überschaubares Angebot an richtig guten Endurobikes, wurde der Markt mittlerweile davon überschwemmt.

Praktisch jeder Bikehersteller bietet mittlerweile zumindest ein richtig gutes Endurobike in seinem Sortiment an und dies natürlich in mehreren Ausstattungsvarianten. Sich dabei einen Überblick zu verschaffen bedeutete ein halbes Jahr lang harte Arbeit. Recherchieren, testen, Fahrradmessen und Bikefestivals abklappern und sich bei einigen ausgewählten Fahrradproduzenten vorstellen.

Fündig wurde ich nun letztendlich bei Cube Bikes. Schon 2011 war ich auf das Cube Fritzz 160 aufmerksam geworden. Das Gewicht des Bikes, der damals noch nicht ganz ausgereifte, weiche Hinterbau und die bei Canyon etwas besseren Parts zum selben Gesamtpreis hielten mich aber vom Kauf ab.

Nach einer ausgiebigen Testfahrt beim letztjährigen Bikefestival in Brixen – wir haben damals darüber berichtet – war ich vom Handling, der Ausstattung, dem Gewicht, der Agilität bei gleichzeitiger Laufruhe, dem unglaublich guten Fahrwerk und auch vom Design des neuen Cube Stereo 160 C:62 TM sehr angetan.

Dank dem Engagement des Bikehändlers unseres Vertrauens Wolfgang Fuchs, konnten sich Karin und ich ein heiß begehrtes Co-Sponsoring bei Cube Bikes sichern. Mittlerweile hat mein geliebtes Stereo schon einiges erlebt. Seit 2 Monaten sind wir nun mehr oder weniger vereint auf unseren diversen Hometrails im Mostviertel und in der Wachau und auf den technisch anspruchsvollen Trails rund um den Lago di Como. Die Begeisterung für dieses Geschoß überkommt mich nun bei jeder Ausfahrt immer wieder aufs Neue.

Das Bike ist eine phänomenale Rennmaschine mit großartigen Trail- und Tourenambitionen. Der superleichte Carbonrahmen, bestückt mit komplettem Fox-Fahrwerk, bringt satte 160 mm feinsten Federweg, wobei die Druckstufendämpfung entweder komplett offen gefahren werden kann, oder über entsprechende Hebel in den „Trailmodus“ für rauhe Kletterpartien oder auf Wunsch komplett gesperrt werden kann um sämtliche Wadlkraft bergauf in puren Vorschub umzuwandeln, ohne dabei zu wippen. Bei geöffneter Druckstufe spricht das Fahrwerk unglaublich gut an und geht downhill ab wie eine Rakete.

Grobes Geläuf und Sprünge steckt das Bike mit gutem Feedback weg, ohne dabei zu straff zu wirken. Einzig auf schnellen, richtig ruppigen Passagen neigt der Hinterbau beim Bremsen minimal zum Verhärten. Sobald man aber den Finger kurz von der Hinterbremse nimmt, ist der sich sehr satt anfühlende Federweg verzögerungsfrei sofort wieder verfügbar und erinnert erfreulicher Weise an mein altes DH-Bike mit 20 cm Federweg und Stahldämpfer am Heck.

Gebremst wird mit der sehr gut dosierbaren und superbissigen neuen Vierkolbenbremse SRAM Code R. Einzig die Druckpunktverstellung der etwas teureren Code RSC vermisse ich zwar, aber dies schmerzt nicht wirklich. In Kombination mit dem neuen, günstigeren aber top funktionierenden SRAM GX Eagle 1×12 Antrieb ist Cube eine großartige, robuste und zuverlässige Ausstattung geglückt, vor allem für mich als Fan der Komponenten von SRAM. Ich befürchtete zwar anfangs, dass ich meine treue Truvativ Hammerschmidt vermissen werde, die mich kein einziges Mal in Stich gelassen hat und auf trialartigen Passagen super im Stand zu schalten war, aber ich hatte mich blitzschnell an die Einfachschaltung gewöhnt. Außerdem spart dies ein knappes Kilo an Mehrgewicht.

Womit ich aber nicht wirklich glücklich bin ist der unglaublich lange Schaltwerkskäfig, welcher zum Schalten der fetten Bandbreite an Gangabstufungen von Nöten ist. Auf felsigem, technischen Terrain bleibt dieser immer wieder gerne hängen und verbiegt in Folge das Schaltauge.

Bei den Laufrädern ging Cube keine Kompromisse ein und verpasste dem Stereo 160 in Teamausstattung die superleichten, supersteifen, langlebigen und sehr edlen Newmen-Laufräuder SL A.30 in 27,5 Zoll. Es ist immer wieder faszinierend, wie spurtreu diese Laufräder jedes Lenkmanöver umsetzen, wie unglaublich steif die Räder sind und welchen Vortrieb man dank dem leichten Gewicht in Kombination mit den ab Werk aufgezogenen Schwalbe Fat Albert ADDIX (Front ADDIX Soft, Rear ADDIX Speed Grip) erreicht.

Für normalen Trailbetrieb, Alpencross und normalen Tourenbetrieb sind die neuen Schwalbe Fat Albert großartige, leichte, widerstandsfähige, bissige, zuverlässige und sehr gut rollende Reifen. Allerdings habe ich den Hinterreifen bereits bei einem der ersten heftigeren Einsätze zerstört mit einem Riss auf der Lauffläche quer durch das Gewebe. Wer es also richtig krachen lassen möchte, öfter auch in alpinem Gelände schnell unterwegs ist und auch das ein oder andere Endurorennen mit dem Bike bestreiten möchte, sollte auf jeden Fall dafür auf Schwalbe Magic Marry ADDIX Soft, MAXXIS Highroller II 3C MaxGrip EXXO oder sogar auf MAXXIS Minion DHR II 3C Maxx Terra EXXO aufrüsten.

Diese sind zwar um einige Gramm schwerer, aber dank gutem Abrollverhalten auch noch gut bergauf zu bewegen bei weit pannensicherer und stabilerer Ausführung. Was den MAXXIS Minion DHR II angeht, hat dieser außerdem die besten Allroundeigenschaften auch bei Nässe und um einiges mehr Biss und einen etwas besser dosierbaren Grenzbereich beim Kurvenverhalten im Vergleich zum Highroller. Der sehr hohe Preis von rund 130 Euro pro Laufradsatz sei dabei aber nicht zu verachten (die Autoreifen für meinen VW Syncro sind wohl bemerkt auch nicht teurer).

Letztlich sei noch die wunderschöne aufgeräumte Optik des Bikes dank dem fehlenden 2. Schalthebel durch 1×12 Schaltung und wegen dem innenverlegten Schaltzug und Seilzug für die hydraulisch versenkbare Cube Sattelstütze und der hinteren Bremsleitung erwähnt.

Alles in allem ist das neue Cube Stereo 160 C:62 TM ein Allroundgeschoß der Extraklasse zu einem mehr als fairen Preis mit Tendenz zum Gas geben und bergab Spaß haben. Erfahrene Biker, welche Kurven entsprechend aktiv mit viel Druck fahren, können mit diesem Bike bergab richtig schnell unterwegs sein!

Dank superleichtem, verwindungssteifem Carbonhauptrahmen, durchdachter, zuverlässiger Ausstattung, einem großartig arbeitenden Fox-Fahrwerk und der bewährten, sehr angenehmen, laufruhigen und doch agil zu fahrenden Geometrie ist das Bike Allmountain- und Trailbikern die gerne etwas Reserven beim Federweg haben ebenso zu empfehlen wie klassischen Endurofahrern auf der Jagd nach der schärfsten, flowigsten, technisch forderndsten Abfahrt, egal ob bei Endurorennen, auf hochalpinen, sehr technischen Trailtouren oder einfach nur, um den Hometrail mit maximalem Spaß abzusurfen. Immer und immer wieder.

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