Mountainbike Region Niederösterreich?

Copyright: MTB Waldviertel

Heute waren wir mit unseren Bikes in einem niederösterreichischen Naherholungsgebiet unterwegs, das seit Jahren trotz Schiarena, einem Naurparkhaus und einer liebevoll betreuten Jausenstation ums Überleben kämpft. Vor allem im Winter. Umso verstörender war die Begegnung mit einem Jagdaufsichtsorgan gegen Mittag, die sogar die anwesenden Spaziergänger auf der beliebten Forststraße, an sonnigen Tagen von 100ten Ausflüglern frequentiert, zum Staunen brachte.

Der Weidmann stellte seinen vollbesetzten Geländewagen auf dem Forstweg quer, stieg nicht mal aus, weil der Weg 10 cm schneebedeckt war und wieß uns in absolut erniedrigender Wortwahl (auf dieses Niveau wollen wir uns hier nicht begeben) zurecht, dass wir hier nicht mit dem Rad fahren dürfen. Während wir schon im Umdrehen waren und gemeinsam mit den Fußgängern das Weite suchten, schrie er uns noch lauthals nach, dass wir sicher wissen, dass das Radfahren in den Wäldern Österreichs verboten sei (Anmerkung von auf abwegen: Laut Forstgesetz aus dem Jahre 1975… wohlgemerkt war zu dieser Zeit das Mountainbike noch nicht erfunden und der Staat Österreich wehrt sich seit über 20 Jahren gegen eine Novellierung von diesem).

Aber mal ehrlich?! Wo liegt hier der Unterschied, ob drei Fußgänger auf der knapp 3 Meter breiten, eben planierten „Forstautobahn“ 500 Meter auf einen Mohnzelten gehen, oder zwei Radfahrer die selbige Straße zum selben Zwecke benutzen, welche ja auch von den Weidmännern mit Autos befahren wird, um möglichst kommod zum Hochstand oder zur Fütterungsstelle fahren können?! Natürlich wissen wir selbst die Antwort, sie liegt im Gesetz.

Doch ein wie eingangs erwähntes Gebiet, das zum Zusperren zu viel und zum Weiterbetreiben zu wenig abwirft, sollte sich überlegen, ob es nicht auf eine alternative Sportart wie das Mountainbiken setzten und im Gegenzug sich nicht so stark von der Jagdlobby bevormunden lassen sollte. Diese füllt nur die Kassen einzelner „Auserwählter“ durch die Jagdpacht, bringt aber der Region selbst nur wenig. All das passiert in Österreich tagtäglich, während uns erst gestern ein sehr professionelles Werbevideo der Tourismusregion Südtirol im Internet ins Auge stach, die mit ihrer Bikeregion um dieses Freizeitklientel extrem erfolgreich werben.

 

Übrigens: Wusstet ihr, dass in sämtlichen Nachbarländern Österreichs das Mountainbiken zumindest auf Forstwegen, wenn nicht zum Teil sogar generell erlaubt ist?!

Man fragt sich schon, in welchem Land leben wir eigentlich? Dieser Zustand wird sich in Österreich auch nicht durch die wie Schwammerl aus dem Boden schießenden Flowtrails ändern, die nur eine für die Tourismusregionen finanziell enorm belastende, langfristig aber nicht wirksame Augenauswischerei sind, sondern erst, wenn man wie etwa in der Schweiz sogenannte „Shared Trails“ umsetzt. Die bei den Schweizern, wie wir es immer wieder selbst erfahren, großartig und ohne Probleme funktionieren. Solch ein Nutzungssystem von Wanderwegen, gleichberechtigt für Wanderer und Mountainbiker spielt sich bei gegenseitiger Rücksichtsnahme und Toleranz dem Anderen gegenüber sehr schnell ein.

 

 

Der heutige Tag hat uns wieder einmal sehr betroffen gemacht, weil einige Weidmänner es nicht schaffen mit Mountainbikern respektvoll und zivilisiert zu kommunizieren. Es gibt zum Glück aber durchaus auch Ausnahmen wie unseren lieben Nachbarn, welcher ebenfalls Jäger ist, aber sehr großes Verständnis den Mountainbikern gegenüber aufbringt, sofern sie sich an eigentlich selbstversändliche Regeln der Wald- und Wegenutzung mit dem Fahrrad halten.

Von anderen Jagdkameraden wird man, wie heute wieder selbst erlebt, sofort wie ein Schwerverbrecher behandelt und aus dem Wald verwiesen. Leider brachten von Mountainbikern initiierte Diskussionen unter Einbeziehung aller Parteien bisher keine vernünftigen Lösungen, um den stagnierenden Tourismus in vielen Gebieten Niederösterreichs wieder in Schwung zu bringen. Bis dahin wird wohl noch viel Wasser die Donau hinunter fließen, aber vielleicht erleben wir es noch und können dann, in fortgeschrittenem Alter noch halbwegs auf´s Bike kraxeln um, die vorhandenen Wanderwege Niederösterrreichs legal mit dem Fahrrad befahren.

Bis dahin wünschen wir euch eine aufregende Zeit, keine Konflikte mit anderen Wegebenutzern und einen schönen 2. Adventsonntag.

 

Titelbild: Copyright MTB Waldviertel – mbike.at –

4 Kommentare bei „Mountainbike Region Niederösterreich?“

  1. Wahre Worte eines weisen Mannes!
    Mfg Stefan Galuska
    Ps.: Weiter so,

  2. Und das wird sich unter der jetzigen Regierung nicht ändern ! Jetzt sitzen die staatlich lizenzierten Mörder (Jäger) und Großgrundbesitzer noch in der Regierung ! Die können bei einer Jagd ja kein gemeines Fußvolk brauchen! Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus !

  3. wolfgang schiffermayer sagt: Antworten

    Mein erstes MB habe ich vor mehr als 30 Jahren gekauft. Zu oft habe ich mich über die rot weiß roten Verhältnisse gewundert und geaergert. Was hilfts? Es fehlt einfach eine geschlossene Initiative. Überparteilich und erfolgsorientiert. Die derzeitigen Bemühungen sind löblich, aber leider nicht erfolgreich. Und so fahre ich weiter im Kreis (!!) Und nutze die wenigen MB-Strecken in der näheren Umgebung, freue mich aber wenn es in Richtung Italien, Schweiz oder Deutschland geht.

  4. Wunderbar geschrieben, schön wenn andere Leut auch so an schönen Stil hätten

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